Zur Abhängigkeit des Heizölpreises vom Dollar-Kurs

24. Juli 2012

Grafik: Krüger / UNITI Mediengruppe

LEIPZIG. (UNITI Mediengruppe) Aus gegebenem Anlass und reichlichen Kundenreaktionen bei den Heizöl-Händlern möchte die Redaktion an dieser Stelle noch einmal auf die Abhängigkeit des deutschen Heizölpreises vom Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar eingehen.

Beim Heizölkauf und auch an Tankstellen werden die Verkäufer sehr oft mit der Frage konfrontiert, warum das entsprechende Produkt so teuer sei. Schließlich sei der Ölpreis ja gefallen (was für den Zeitraum Mai bis Mitte Juli 2012 tatsächlich stimmt). Die Produkte hätten sich jedoch nicht in gleicher Weise verbilligt. In dieses Horn stößt vor allem der ADAC, der fast im Wochentakt den Mineralölkonzernen vorwirft, den Sprit entsprechend der Marktpreise nicht billig genug anzubieten.

Anhand des Benzinpreises wollen wir kurz aufschlüsseln, wie dieser sich zusammensetzt:

Schritt

Kosten in Euro-Cent

Quelle

Förderung

7,0

Institut HWWI

Transport

0,5

diverse Transportunternehmen

Marge an Raffinierie

29,5

MWV

Marge von Raffinierie

24,0

MWV

Produktpreis

61,0


Dazu:



Logistik

11,0

diverse Transportunternehmen

Marge Tankstelle*

5,0

diverse Tankstellenunternehmen

Steuern

90,0

MWV/Statistisches Bundesamt

gesamt

167,0

 

* Nicht Gewinn, lediglich Roherlös

Das meiste Geld wird also von der Förderung bis zur Lieferung an die Raffinerien verdient (und vom Staat). Bis zur Raffinerie fallen derzeit rund 37 Cent Rohöl-Preis je Liter an. Das sind also rund 22 Prozent vom endgültigen Produktpreis inkl. Steuern. Beim Heizöl ist die Steuer geringer und beträgt, gerechnet auf den 100-Liter-Preis, 6,13 Euro bei HEL schwefelarm. Gemeinsam mit der Umsatzsteuer kommt man so auf einen Produktanteil von 43 Prozent. Mit dieser Zahl muss beim Ermitteln des realistischen Heizölpreises gerechnet werden.

Zudem legt keine deutsche Raffinerie ihre Preise selbst fest, sondern richtet sich nach den Produktpreisen im ARA-Raum. Mehr dazu hier.

Der zweite große Faktor ist der Kurs des Euro zum Dollar. Heizöl wird – logisch – hierzulande in Euro bezahlt. Sinkt der Euro, so wird Heizöl, trotz stabil bleibenden Rohöl-Preises, automatisch teurer. Steigt der Euro bei gleichem Rohölpreis, verbilligt HEL sich. Hierzu folgende Übersicht, in der sich auch der Rekordpreis des Jahres 2008 befindet:

Tag

Brent in US-Dollar je Barrel

Unter-schied zu 2008 in %

3000 l HEL in Euro (100 l)

Euro / Dollar

Dollar-Preis 3000 l HEL (100 l)

Unter-schied zu 2008 in %

04.07.2006

72,51

- 50,7

63,00

1,2797

80,01

- 48,1

04.07.2008

146,62

0,0

98,35

1,5708

154,41

0,0

04.07.2010

71,76

- 50,8

66,67

1,2550

83,34

- 45,9

04.07.2012

99,77

- 31,7

88,70

1,2524

110,87

- 29,6

13.07.2012

102,04

- 30,1

89,41

1,2246

109,08

- 29,3

Aus dieser Übersicht geht hervor, dass die Produktpreise etwa zum 4.7.2012 zwar um 31,7 Prozent gefallen waren, der Heizölpreis scheinbar jedoch nur um 29,6 Prozent. An sich könnte man die 1,9 Prozent Unterschied vergessen. Rechnet man jedoch nur den 43-prozentigen Produktanteil in die Teuerung hinein, bleiben gerade mal 0,82 Prozent übrig, um die Heizöl scheinbar zu teuer ist gegenüber der Hochpreisphase 2008. Jetzt kommt noch die Inflationsrate seit 2008 hinzu. Die war wie folgt:

Jahr

In %

2008

2,6

2009

0,4

2010

1,1

2011

2,3

2012 (vorläufig)

2,0

Schnitt

1,68

Streng genommen hätte Heizöl sogar noch etwas teurer sein dürfen, und zwar um gut 6 Prozent, gerechnet auf 4 komplette Jahre seit Sommer 2008. Doch das kann niemand wirklich wollen.