Bullenumfeld contra Gewinnmitnahmen: Rohöl weiter um 100 Dollar

6. Juli 2012

LEIPZIG. (UNITI Mediengruppe) Nach einem nachrichtenintensiven Donnerstag bewegen sich die Rohölnotierungen am heutigen Morgen ungefähr bei folgenden Barrelpreisen: Nordseeöl Brent 100 Dollar, US-Leichtöl WTI 86,50 Dollar. Eine Mini-Preisrunde haben die Ölpreise zum Abend noch hinter sich gebracht, als nämlich das US-Energieministerium DoE mit einem Tag Verspätung (wegen Feiertag) die Bestandsdaten preisgab. Die zeigten noch deutlicher als vorherige Erwartungen und Schätzungen wahrnehmbare Abbauten in US-Lägern. Da hat der Wirbelsturm Da stellt sich die Frage, warum es trotzdem nicht noch weiter bergauf ging mit den Ölpreisen, wo doch das Umfeld gerade so schön „bullisch“ ist, wie die Experten es formulieren. Hier der Versuch einer Antwort. Erstens: Das Tamtam im Persischen Golf ist schon im Preis drin – Stichwort Risikoprämie. Das Embargo war lange bekannt. Zweitens: Die Ölarbeiter vor Norwegen streiken zwar, aber auch das ist grundsätzlich schon berücksichtigt. Die gestrige Ankündigung von Statoil, trotz größerer Verluste ab Montag mit Aussperrungen zu reagieren, ist heftig – der Konzern spricht hinsichtlich des Produktionsausfalls nun locker vom Fünffachen der aktuellen Fehlmenge. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass politische Entscheider mit gesetzlichen Mitteln zum Streikbrecher werden. Drittens: Eine Gegenbewegung ist beinahe logisch, weil Anleger kurzfristige Gewinne einstreichen. Die erwirtschaftet vor allem der starke Dollar. Und warum der so stark ist, ist auch recht klar: Gestern haben EZB und weitere wichtige Institute (England, China) ihre Zinsen gesenkt.

Apropos Geld: Den Euro hat die Zins-Entscheidung noch billiger gemacht, als er ohnehin schon ist. Nicht einmal 1,24 Dollar Gegenwert stehen zu Buche; ein ordentlicher Rutsch. Kein Wunder also, dass Heizölhändler trotz mittlerweile seitwärts tendierender Rohölnotierungen für ihr Produkt auch heute noch einmal mehr verlangen müssen.